Bücher für Erwachsene

MOHNSCHWESTERN

Drei Frauen, Drei Schicksale, ein Bild – so wird mein neuer Roman von meinem Verlag Harper Collins angekündigt. Und tatsächlich ist es so, dass dieses eine Bild – leuchtend orange und voller Lebensfreude – Lotte, Mathilda und Hazel über Generationen verbindet, eine Brücke schlägt vom Hitlerdeutschland in die Bundesrepublik der Gegenwart. Dabei ahnt der Maler, ein Künstler aus San Francisco, überhaupt nicht, welche Bedeutung dieses Bild einmal erhalten wird, als er es im Sommer 1943 auf die Reise nach Deutschland zu seinem Bruder schickt … Genau wie ich. Als ich damals im Frühjahr 2018 in Kalifornien ein Mohnbild in einer Galerie entdeckte, konnte ich auch nicht ahnen, dass es einmal eine so große Rolle in meinem Leben spielen würde, in meinem Roman, an dem ich schon so viele Jahre arbeitete. Ursprünglich hatte ich mir gewünscht, dass mein Roman „Brandnacht“ heißt, nach der tragischen Bombennacht in Darmstadt, bei der am 11. September 1944 die gesamte Innenstadt ausgebombt wurde und rund 12.000 Menschen ihr Leben ließen. Mich berühren die Schilderung der Erlebnisse zutiefst, es ist nicht fassbar, welch unglaubliches Leid die Menschen in jener Nacht erfahren haben, der gesamte Krieg, das Nazi-Regime, der Holocaust. Während des Schreibens habe ich dann ganz deutlich gespürt, dass es Hoffnung gibt, dass Leid gewandelt werden kann – wenn gesprochen wird, wenn geschrieben wird, wenn wir dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Wenn es Liebe in der Welt gibt, die heilt – und Licht ins Dunkle bringt. Und genau deswegen ist der Titel „Mohnschwestern“ der richtige für meinen Roman. Denn das Motiv des Lichts verbindet Lotte, Mathilda und Hazel in ihrer Kraft und Liebe über drei Generationen hinweg. Genau wie in meinem Leben. Denn nach vielen dunklen Jahren bin ich endlich wieder auf der Sonnenseite des Lebens angekommen. Dieses Bild, der leuchtend gelbe Mohn, zeigt es mir, jeden Tag. Wie ein Puzzle fügt sich nun alles zusammen, ergibt alles einen Sinn. In meinen Garten blüht wieder Kalifornischer Mohn, ich lebe in dem Haus, in dem meine Urgroßmutter, Großmutter und Mutter die Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre erlebt und überlebt haben. In diesen Räumen ist ihre Kraft und Stärke zu spüren, jeden Tag. Hier kann mir nichts passieren, hier erschüttert mich nichts und niemand mehr. Und das Mohnbild trage ich für immer in meinem Herzen, genau wie die Zeit in Kalifornien.