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Wie ist Shark entstanden

Trau dich, zeig dich, steh zu dir!
– Interview mit Ilona Einwohlt

Warum geht es in deinem neuen Roman schon wieder um Mädchen? Und warum schon wieder Freundinnen?!
Weil meine Leserinnen auf Nachschub warten … Nein, im Ernst: Ich finde ja, dass Mädchen nicht stark und selbstbewusst genug sein können und dass es in Sachen Emanzipation und Feminismus noch einiges zu tun gibt. Deswegen kam Linn zu mir: Linn wirkt auf den ersten Blick unglaublich schüchtern, eine nerdige Außenseiterin in der Klasse, unbeliebt wie ihre Mutter, eine Physiklehrerin. Dabei ist Linn eine eigensinnige Persönlichkeit und ganz schön stark, sie ist sich dessen nur noch nicht bewusst. Erst als Shark bei ihr im Haus einzieht und die beiden unterschiedlichen Mädchen Freundschaft schließen und sich verbünden, entdeckt sie, was alles in ihr steckt. Ich glaube daran, dass jeder von uns ein Gegenüber braucht, der das Beste aus dir herauskitzelt. Und wer, wenn nicht jemand, der so tickt wie du nur anders, ist dafür bestens geeignet?

Linn wird ja ganz schön von der Mädchenclique gemobbt. Wieso holt sie sich keine professionelle Hilfe, wie es überall geraten wird?
Für meinen Geschmack mischen sich die Erwachsenen heutzutage viel zu sehr in die Angelegenheiten der Kinder ein, statt ihnen zu vertrauen oder sie dabei zu unterstützen, sich selbst zu regeln. Aktuell erziehen wir überall kleine Petzen und Schwächlinge. Mobbing ist kein Spaß, ich will das nicht beschönigen, aber alles, was ein Kind aus sich heraus schafft, macht es ungleich viel stärker. Und dazu möchte ich unbedingt ermutigen.

Wie kamst du auf die Idee zu diesem Buch?
Ich bin ja mit Pippi Langstrumpf aufgewachsen. Und irgendwann habe ich mich gefragt: Was wäre denn, wenn Pippi heute so um die 14 Jahre alt wäre? Welche Eigenschaften hätte sie? Welche Streiche würde sie spielen? Und wie sehen Grenzüberschreitungen heute aus? Welche sind überhaupt noch erlaubt, ohne dass es für Verlag und Autorin eine Abmahnung gibt. Daraus ist dann Shark entstanden. Zugegeben nicht sonderlich originell, aber auch logisch, das jemand wie ich dieses Gedankenspiel spielt, vor allem, wenn er Mädchenbücher schreibt.

Um welche Grenzüberschreitungen geht es denn?
Es gibt innere wie äußere. Zum einen wächst Linn an der Seite von Shark über sich hinaus, wird von ihr also sozusagen wachgekitzelt und entdeckt ihre persönlichen Stärken, wird selbst aktiv und setzt sich mit ihrer strengen Mutter auseinander. Auf dem Dach balancieren oder Aktentaschen vertauschen ist da noch die kleinste Aktion. Linn schafft es tatsächlich, sich gegen die Mädchenclique zu wehren, in dem sie ihnen zu denken gibt und sie mit ihren eigenen Grenzen konfrontiert.

Wer ist deine Lieblingsfigur?
Oskar! Das ist der kleine Bruder von Linn, durch eine schlimme Krankheit kleinwüchsig geworden, aber absolut der Hellste und Beste. Er ist für mich der heimliche Held dieser Geschichte, unglaublich charmant und liebenswert, weil er auf seine Schwester aufpasst und sie nicht im Stich lässt.

Beschreibe eine typische Shark-Aktion!
Shark fällt natürlich äußerlich durch ihre verrückten Leggins und Outfits auf. Aber sie sorgt für Gerechtigkeit und Spaß, zum Beispiel verteilt sie Pausenbrote an Obdachlose oder tanzt mit den Menschen im Park im Springbrunnen. Oder sie klemmt sich Zitronenkuchen zwischen die Fußzehen, um eine ausgebüxte Elster zu fangen … Manchmal ist sie auch ganz einsam, dann backt sie Trostkuchen oder faltet Origami-Fische. Die Anleitungen dazu stehen übrigens im Buch.

Im Roman gibt es auch noch weitere, kleinere Texte. Was hat es damit auf sich?
Hierbei handelt es sich um kleine Gedichte, Gedankenschnipsel, Briefe oder wie gesagt Rezepte, die über die eigentliche Geschichte hinaus weisen und den Inhalt erweitern. Und es nicht ganz klar, wer sie schreibt: Shark, Linn, Oskar …