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Wie ist Alicia entstanden

Um Geschichten erzählen zu können, muss man sie (ein bisschen) selbst erlebt haben. In Alicia stecken wenigstens zwei sehr persönliche Erlebnisse: Eine nervtötende Mathelehrerin und meine Reisen per Bahn mit dem Rucksack quer durch Europa. Ich liebe Zugfahren! Und es gibt so viele wunderschöne Bahnhöfe …

Als ich dann davon gelesen habe, wie sich ein Drogenboss jahrelang in einem leerstehenden Bahnhofsgebäude versteckt gehalten hat und mir gleichzeitig immer wieder die verrücktesten Patchwork-Familien begegnet sind, war die Figur der Alicia sofort da.

Wie wäre es, fragte ich mich, wenn sich dein Vater in deine schreckliche Mathelehrerin verlieben würde, während du gleichzeitig nicht weißt, wo deine eigene Mutter wirklich steckt? Noch schlimmer: Du ahnst, dass dir die Wahrheit verschwiegen wird, weil es Familiengeheimnisse gibt, denen du erst auf die Spur kommen musst. Also begibst du dich auf die Suche … das ist auch der Weg des Erwachsenwerdens, mit allem drum und dran. Den Rest erzählt das Leben.

Alicia ist liebenswert und widerborstig zugleich, eigensinnig und spröde, sie hat das Herz auf dem rechten Fleck und würde nie im Leben zugeben, wie wahnsinnig einsam sie sich fühlt. Obwohl sie jetzt mitten in einer turbulenten Großfamilie lebt! Und noch etwas beschäftigt sie: Dieser ganze Mädchenkram ist ihr zuwider, all die Styling-, Kuss- und Pickelsorgen ihrer besten Freundin Bibi teilt sie nicht, sie hat kein Problem mit ihrem Anderssein. Wenn andere sie aber deswegen für unterentwickelt halten, schon. Es geht mir also auch um die Frage: Was zeichnet Mädchensein heute aus? Wie frei und selbstbewusst sind Mädchen heute wirklich?

Besonderes Vergnügen bereitet mir die Figur der Roselotte. Und das nicht nur, weil sie als Mathelehrerin jede Menge Projektionsfläche für sämtliche Vorurteile und Klischees bildet (wir alle wissen: Klischees kommen nicht von ungefähr). Vielmehr geht es ja auch um die Frage, die viele Schüler und Eltern bewegt: WARUM eigentlich wird ausgerechnet dieser Mensch Lehrer, wenn er augenscheinlich ganz andere Talente hat, als komplizierte Gleichungen pubertierenden Ignoranten beizubiegen?! Auch hier die Suche nach der Geschichte dahinter …

Oder Oma Lisa, die augenscheinlich jede Menge auf dem Kerbholz hat und im Hintergrund die Fäden zu ziehen scheint. Die jahrelang den alten Bahnhof als Gästehaus organisiert und Alicia nebenbei großzieht. Und die plötzlich überhaupt nichts dagegen hat, dass ihr Sohn eine Frau anschleppt, die alles umstrukturiert … und bezahlt.

Fragen über Fragen, die es zu erzählen und aufzuspüren gilt. Ich bin gespannt, welche Rätsel Alicia alle noch zu lösen hat …

Alicia erscheint im Arena Verlag, Würzburg (www.arena-verlag.de). Die Alicia-Illustration auf dem Cover sowie die vielen witzigen Vignetten im Innenteil stammen aus dem Zeichenstift von Martina Badstuber (www.martina-badstuber.de).

Die Bücher der Alicia-Reihe auf einem Blick

  1. Unverhofft nervt oft
  2. Wer zuerst küsst, küsst am besten
  3. Liebe gut, alles gut