2019-04-16 16.42.38

Aus dem Autorinnenalltag

Manchmal fühle ich mich wie Thomas Mann, der auch streng nach Stundenplan geschrieben hat. Aber auch nur fast, weil ein strukturierter Tagesablauf womöglich das einzige ist, das uns verbindet. Ansonsten bin ich ja doch sehr flexibel … Wie sieht also so ein typischer Tagesablauf bei mir aus?
Wenigstens eine Stunde Sport am Morgen muss sein, bevor ich mich an den Schreibtisch setze und für die nächsten Stunden verloren bin, irgendwann mal Mittagspause, dann wieder lesen, schreiben, Mails beantworten, zwischen durch die social media-Kanäle bedienen.
Während sich in meinem Kopf alles dreht und die Flipperkugel von einer Idee zur nächsten hin- und hertitscht, versuche ich den Überblick zu behalten. Persönliche Krisen hauen dann natürlich voll rein, bestimmen meine Gedanken und machen, dass ich dann nicht schreiben kann. Oft liege ich dann einfach nur da, spüre dieser unglaublichen Müdigkeit und Erschöpfung nach, zwinge mich, nach draußen zu gehen, Bewegung und Natur helfen, die Gartenarbeit sowieso. Wenn gar nichts mehr geht, mir aber ein Abgabetermin im Nacken hängt, gehe ich ins Café, um dort zu schreiben. Echt. Zwei Stunden mitten unter den Leuten, kein WLAN, keine Ablenkung, das Handy bleibt stumm. Dann schreibe ich wenigstens eine Seite. Oder zwei. Manchmal auch drei. Und dann kommen plötzlich auch wieder neue Ideen, spuken in meinem Kopf, lassen sich sortieren und zu einem neuen Roman formen, alles schön der Reihe nach. Eine To-Do-Liste für die Autorin zum Abhaken. Aber ist es wirklich so, dass eine alte Sache beendet sein muss, damit eine Neue beginnen kann? Sind Ideen chronologisierbar? Es ist doch eher so, dass Geschichten gleichzeitig geschehen, während ich das hier alles der Reihe nach aufzähle … Kein Wunder also, dass in meinem Kopf die Gedanken kreiseln, lauter Kugeln, große und kleine, die Flipperkugeln eben. Und ich entscheide, welche ich nehme: die große oder die kleine, die glitzernde oder die dunkle, die leuchtende, helle, verheißungsvolle.