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Wissen ist Macht – wir wissen nichts, macht nichts!

Das war der Spruch, mit dem ich mich als Schülerin damals über miese Noten hinweggetröstet habe (nicht, dass ich eine schlechte Schülerin gewesen wäre, aber es gab da eine Phase, da verstanden sämtliche Sozi-Mathe-Französisch-Englisch-Physik-Chemie-Lehrer und ich uns nicht so gut). Natürlich wusste ich damals wie heute, dass es absolut etwas mit einem macht, wenn man nichts weiß.

 

Erstens kann man nicht mitreden, wenn man keine Ahnung hat, egal, ob es in der Clique um einen angesagten Kinofilm geht – oder ob über Klimawandel, AFD oder Energiewende diskutiert wird.
Zweitens sitzt man am kürzeren Hebel, egal, ob Lehrer oder Chefs über dich bestimmen.
Und drittens hängt vom Grad deiner Bildung dein Einkommen ab, denn eigentlich muss es heißen: Wissen ist Geld und Geld ist Macht, zumindest solange wir dem kapitalistischen Gesellschaftssystem angehören.

Doch ich wollte nicht über Geld schreiben, sondern darüber, wie wichtig ich Bildung und Wissen finde (den Zusammenhang von Einkommen und Bildung werde ich an anderer Stelle für Schüler und Schülerinnen genauer erklären …), denn dreht man den Spruch um, steht da: Dummheit ist Schwäche – und was mit Schwachen passiert, weiß man. Eigentlich. (Diskriminierung von Frauen, Spielball von Populisten, Modernisierungsverlierer, Mobbingopfer, Abhängigkeit vom Staat, um ein paar Beispiele zu nennen.)

Das hindert aber viele Menschen nicht daran, ihr Desinteresse am politischen und gesellschaftlichen Alltag zu zeigen, sich bewusst oder unbewusst den Nachrichten und Informationen zu entziehen, die uns zur Verfügung stehen, die eigenen, persönlichen Probleme wichtiger zu nehmen als die der Welt. Oder noch schlimmer: sich eine eigene Wahrheit zurechtzulegen und von „Lügenpresse“ zu sprechen, die angeblich Falschmeldungen verbreitet. Schon klar, DIE Wahrheit gibt es nicht, wir können uns ihr nur annähern, Fragen stellen, genau hinschauen und uns informieren, vor allem, wenn eine Flut an Informationen, Fakten, Filmen und Bildern von allen Medienseiten auf uns einprasselt.

Doch genau darum geht es jetzt erst recht: Neugierig zu sein auf die Welt, nicht alles zu glauben, was man gesagt oder gezeigt bekommt und einen gesunden Menschenverstand zu entwickeln, der einem hilft, sich in einer Welt der Reiz- und Informationsüberflutung zurecht zu finden. Genau deswegen ist Wissen wichtig! Aktuell wächst jedoch eine Generation von Kindern heran, die in unserem reichen, hochtechnisierten und entwickelten Land durch das Bildungssystem rutscht, sei es aus mangelnden Sprachkenntnissen, mangelndem Interesse der Eltern oder mangelnden finanziellen Möglichkeiten. Das bereitet mir große Sorgen, schließlich sind diese Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft, entscheiden eines Tages über Politik, Entwicklung und Fortschritt. Was passiert, wenn hier eines Tages lauter Menschen leben, die nichts wissen?

Als Autorin trage ich hoffentlich mit meinen Büchern und meinem Wirken dazu bei, dass Kinder neugierig und kritisch bleiben, sich nicht verbiegen lassen und solange Fragen stellen, bis sie alles verstanden haben. Dass sie sich trauen, eine eigene Meinung zu vertreten, auch später als Erwachsene. Dass sie offen und tolerant anderen gegenüber auftreten, warmherzig und weise, mit ihrem Wissen Falschmeldungen entlarven können – und sich nicht für dumm verkaufen lassen von Menschen, die sie für ihre radikalen Ansichten welcher Couleur auch immer einfangen wollen.

Im nächsten Jahr, so habe ich es mir zumindest vorgenommen, möchte ich mich diesbezüglich aktiver dafür einsetzen. Weil das Bildungsthema universell ist und um einen Anfang zu machen, habe ich für die „Eselbibliothek“ von Plan International einen Beitrag geleistet, damit die Kinder in Äthiopien ebenso wie unsere Kinder hierzulande die Möglichkeit haben, sich die lesend die Welt zu erobern – und Wissen anzueignen.

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