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Weil ich ein Mädchen bin!

Seit einigen Jahren schreibe ich vor allem Bücher für Mädchen. Das liegt daran, dass ich selbst eins bin und AutorInnen bekanntlich immer am besten darüber schreiben, womit sie sich am besten auskennen.

Ich bin in den 1970er/80er Jahren mit Nesthäkchen, Trotzkopf und Hanni & Nanni aufgewachsen, das sind Mädchenbücher, die ein eher traditionelles Mädchenbild entwerfen: erst rebellisches Verhalten (Wildfang! Trotz! Streiche!), aber dann immer die große Wandlung – und mit dem klaren Ziel, später eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.

Später, während meines Germanistikstudiums, habe ich mich mit sogenannten emanzipatorischen Mädchenbüchern beschäftigt, das war in den 1990er Jahren, als es in der Tat fast revolutionär war, wenn „Mama“ wieder arbeiten ging – und ihre Töchter alles anders machen wollten. Insbesondere die Bücher von Dagmar Chidolue wie „Lady Punk“ (1985) oder Kirsten Boie „Mit Jakob wurde alles anders“ (1986) hatten es mir angetan. Heute verfolge ich mit großem Interesse Buchreihen wie „Freche Mädchen, freche Bücher“ und ihr darin enthaltendes Mädchenbild und überhaupt, wie in den aktuellen Jugendbüchern mit Themen wie Selbstbestimmung, Mutterschaft, Berufswahl, Sexualität und Lust umgegangen wird. Längst habe ich feststellen müssen, dass sich wenig verändert und der Feminismus in der Literatur für Mädchen und Frauen offensichtlich keinen Einzug gehalten hat.

Spätestens seit der Lektüre von Simone de Beauvoir „Das andere Geschlecht“ beschäftige ich mich auch mit theoretischen Schriften zur Emanzipation und Feminismus, ganz frisch ist noch der Leseeindruck von Julia Korbik „Stand up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ (2014) und die Begegnung mit Barbara Sichtermann, die im letzten Jahr (2015) den Luise-Büchner-Preis für ihr Lebenswerk erhalten hat. Mit Interesse verfolge ich die aktuellen Debatten, wie zum Beispiel um über wie GNTM, Aufschreie über sexuelle Belästigung oder Regretting Motherhood.

Längst bin ich selbst zweifache Mutter – und arbeite. Besonders zum Nachdenken über das, was Mädchensein ausmacht, bringt mich meine Tochter. Mit ihr ist seit 2004 die Farbe Rosa in meinen Haushalt gezogen; in der Folge sind die „Sina-Bücher“ entstanden wie beispielsweise „Mein Pickel und ich“ oder „Mein Knutschfleck und ich“.

Mittlerweile ist sie fast zwölf und zeigt mir die Veränderungen und Themen, die Mädchen heute, 2016, wirklich beschäftigen – und ihr ist auch mein neues Buch gewidmet. „Weil ich ein Mädchen bin – alles, was Mädchen wissen wollen.“ Mit Illustrationen von Pe Grigio, gerade erschienen bei Fischer Sauerländer.

Und darum geht’s:

„Weil ich ein Mädchen bin“ beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema Mädchensein heute:

1. Auf der körperlichen – es erklärt die hormonellen und körperlichen Veränderungen, sprich: Alles war „normal“ ist, weil es ein biologischer Vorgang ist (Pickel, Busen, Periode etc.)

2. Auf der medialen – es beleuchtet den Schönheitswahn unserer Gesellschaft und den damit verbundenen Leistungs- und Erwartungsdruck (Klatsch-TV, GNTM, Werbung, Konsum etc.)

3. Auf der seelischen – es zeigt, wie persönliche Stärke und Selbstbewusstsein gewonnen werden kann und hilft, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln (Selbstwert, Selbstliebe, persönliche Stärke etc.)

4. Auf der rechtlichen – es stellt dar, welche Rechte Frauen und Mädchen heute haben und nutzen können und wie lange sie ihnen verwehrt waren (Nein sagen, Ausbildung, Geld etc.)

5. Auf der persönlichen – es bietet konkrete Lösungsvorschläge für Konflikte mit Eltern, Schule und Freundinnen (Lernstress, Mädchenkrieg, Freundschaft etc.)

Ich will Mädchen mit Denkanstößen, Tipps und Übungen unterstützen, ihren ganz eigenen, persönlichen, individuellen Weg durch diese Zeit der Veränderungen zu finden. Und natürlich möchte ich Mädchen auch für die großen Themen rund wie Weiblichkeit, Rollenbilder, Feminismus oder Diskriminierung von Frauen sensibilisieren, ohne sie als Opfer abzustempeln.

Wenn jede von weiß, wer und wie sie ist und was sie alles kann, kann ihr so schnell keiner was. Damit Mädchen fröhlich, stark und unbekümmert sein und den Anforderungen seitens Familie, Freunden, Schule und Gesellschaft gut begegnen können. Damit sie stark, selbst-bewusst und achtsam leben. Jede auf ihre Weise. Weil wir Mädchen sind.