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Advent, Advent, die Bude brennt …

So ist das eben bei Autoren, seit einiger Zeit schreibe ich an Lucas persönlicher Weihnachtsgeschichte, noch viel länger habe ich die Idee dazu im Kopf und jetzt ist der Text fertig (wobei: Kann ein Text jemals fertig sein?!), das Buch hat einen Titel und einen Verlag, den wunderbaren Klett Kinderbuch Verlag in Leipzig, in dem es dieser Tage erscheint, und eine noch wunderbarere Illustratorin, Tine Schulz.

Und das kam alles so:

Ich saß wie alle Jahre wieder bei einem Krippenspiel in der Kirche und die Kinder, genauer gesagt, Maria und Josef, zogen von Haus zu Haus auf der Suche nach einer Herberge, bekanntlich hatte niemand Platz für sie. Wie wäre das denn heute, fragte ich mich, wer von uns ist denn bereit zusammenzurücken und Fremde bei sich aufzunehmen, wenn er selbst mitten im Weihnachtsstress steckt? Weihnachtsbasar, Geschenke, Plätzchen, Feiern organisieren und selbst mit seinem Terminkalender jonglieren muss.

Für Flüchtlinge, für Obdachlose wäre das eine Sache, soweit wollte ich mich politisch und gesellschaftskritisch gar nicht aus dem Fenster lehnen, auch wenn ich damit aktueller denn je wäre. Aber was wäre denn mit eigenen Freunden, Bekannten, Familienangehörige? Sagt doch jeder: Melde dich, wenn du Hilfe brauchst! Komm doch vorbei! Wir haben Platz genug! – und wenn es dann wirklich drauf ankommt, ist niemand da. Weil das Zusammenleben der Erwachsenen ganz schön kompliziert sein kann, so kompliziert, dass sie einmal gemeinsam in den Urlaub fahren und dann nie wieder. Oder weil die eigene Oma auf dem total egoistischen Selbstverwirklichungstrip ist und auf die Befindlichkeiten ihrer Enkel keine Rücksicht nimmt. Oder weil jemand eine grässliche Stauballergie hat. Oder weil der Cousin ein gemeiner Fiesling ist, der einen von morgens bis abends das Leben schwer macht. Oder weil heutzutage jeder so mit sich selbst beschäftigt ist, dass sprichwörtlich kein Raum für Andere und Anderes bleibt.

Na, und dann war die Idee von Lucas Weihnachtsgeschichte geboren: Hochschwangere Familie steht durch ein Unglück plötzlich auf der Straße. Und dann?!

Ich brauchte dazu eine alleinerziehende, schwangere Mutter die in der Figur der Johanna Schippers fix gefunden war: Herrlich chaotisch, chronische Bastelschwäche, eine dieser Mütter, die erfrischend anders ist und sich von anderen nichts sagen lässt, schon gar nicht, wie Brotboxen zu beschriften sind. Wer der Vater des Babys ist, bleibt offen, wer genau liest, ahnt es.

Katharina, Lucas ältere Schwester, ist eine meiner Lieblingsfiguren, das liegt wahrscheinlich daran, dass mir ihre Mädchenrolle durch meinen anderen Bücher ziemlich vertraut ist: Nur mit sich, ihrer Schönheit und ihrem Verliebtsein beschäftigt, ist es ihr ziemlich schnurz, dass gerade die Wohnung abgefackelt ist und wo sie wohnen, sie lebt in ihrem ganz eigenem Kosmos und der heißt: Felix.

Na, und der zehnjährige Luca ist der beste überhaupt! Er lässt sich so schnell nicht unterkriegen und setzt alles daran, dass es seiner Mutter gut geht. Keine Frage, ohne Luca würde diese Weihnachtsgeschichte ganz anders ausgehen. Das liegt nicht zuletzt an seinen Freunden, den Zwillingen Ibi und Mayla. Die feiern zwar mit ihrer syrischen Familie selbst kein Weihnachtsfest, haben aber immer die besten Ideen …

Mehr Infos gibt es hier: Advent Advent die Bude brennt